Es kommt auf den Versuch an

Ab und zu kann man auf dem Etikett eines deutschen Weins „aus Versuchsanbau“ lesen. Was ist damit gemeint? Hat der Winzer irgendwelche seltsamen Experimente an diesem Wein durchgeführt?

Nein, keine Angst. Dieser Zusatz bedeutet lediglich, dass der Wein aus einer Rebsorte erzeugt wurde, die in Deutschland oder dem jeweiligen Anbaugebiet (noch) nicht zugelassen ist. Denn ein Winzer kann nicht beliebige Rebsorten verwenden. Er kann also nicht einfach ein paar Hundert Pflanzen aus dem Ausland importieren und diese in seinem Weinberg anpflanzen. Ist die Rebsorte im jeweiligen Bundesland noch nicht eingeführt, muss er einige bürokratische Hürden bewältigen. Zunächst ist ein Antrag auf Anbaueignung beim jeweiligen Landwirtschaftsministerium zu stellen. Erst wenn ihm dies gewährt wird, kann er die Rebstöcke pflanzen – und zwar in genau festgelegten Mengen, Abständen usw. Auch muss er regelmäßig darüber berichten, wie diese Rebsorten in unseren heimischen Lagen gedeihen. Und so lange, bis die Sorten offiziell zugelassen werden, muss eben „aus Versuchsanbau“ auf dem Etikett erscheinen.

Wozu braucht man denn diese neuen Rebsorten? Weil auch manche Winzer gerne etwas Neues ausprobieren. Und weil es die Klimaerwärmung überhaupt erst möglich macht, Rebsorten, die bisher nur im sonnigen Süden reif wurden, in unseren Breitengraden erfolgreich anzubauen.

In Württemberg sind aktuell 75 Rebsorten zugelassen, von A wie Acolon bis Z wie Zweigelt. 2016 wurden beispielsweise die italienischen Sorten Nebbiolo und Sangiovese sowie die spanische Tempranillo neu aufgenommen.

 

 

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