Spitze ... Jahrgang oder Winzer?

Foto: S. Hofschlaeger / pixelio.de
Foto: S. Hofschlaeger / pixelio.de

Traumjahrgang, Spitzenjahrgang, Jahrhundertjahrgang … was hört und liest man nicht alles über Weinjahrgänge. Die Trauben hängen noch an den Rebstöcken, da wird schon munter darauf los gemutmaßt, wie denn der neue Jahrgang ausfallen wird.

 

Gemeint ist, ob das Klima über das Jahr gesehen günstig oder ungünstig für die Entwicklung der Reben und der Trauben war. Selbstverständlich ist das immer ein wichtiges Kriterium dafür, wie die Qualität eines Weins 

ausfallen kann. Aber ich lege hier die Betonung ganz bewusst auf „kann“. Denn durch eine sinnvolle und zeitgemäße Arbeit im Weinberg über das ganze Jahr hinweg und den Einsatz moderner Kellertechnik kann heutzutage jeder Winzer die Qualität seiner Arbeit ebenso stark beeinflussen, wie es das Wetter kann. Ausgenommen natürlich, wenn ein Weinberg von einer Katastrophe heimgesucht wird, beispielsweise Hagelschaden, Frost oder auch dem nächtlichen Besuch einer Rotte von Wildschweinen.

 

Ich persönlich habe großes Vertrauen in die Erfahrungen und Kenntnisse der meisten Winzer oder, um es einmal bewusst provokant auszudrücken: In einem Spitzenjahr einen herausragenden Wein zu erzeugen ist nicht schwierig. Aber in einem schlechten Jahr einen guten Tropfen in die Flasche zu bringen, das erfordert Können.

 

Aus demselben Grund können auch die ach so beliebten Jahrgangstabellen, die regelmäßig den Gourmet- und Fachzeitschriften beiliegen, nur ein ganz grober Anhaltspunkt sein. Wie immer beim Wein empfehle ich Ihnen: Probieren Sie den Wein beim Winzer oder beim Weinhändler Ihres Vertrauens. Oder legen Sie sich bei den Weinen, die noch reifen müssen, ein paar Flaschen in den Keller und verkosten Sie ab und zu, wann der Wein das für SIE richtige Stadium erreicht hat. Denn nur darauf kommt es an.

 

Und wenn Sie von einem Jahrgang zum anderen einen Unterschied bemerken – prima, freuen Sie sich! Wein ist ein Naturprodukt. Und nichts fände ich furchtbarer, als wenn Weine irgendwann einmal so uniform daherkommen, dass sie jedes Jahr gleich schmecken.