Mit allen Sinnen genießen

Manchmal möchte man einen Wein einfach nur trinken, aus Spaß, mit Freunden, zu einem schönen Essen. Manchmal aber haben wir Lust, uns näher mit dem guten Tropfen zu beschäftigen. In diesem Fall kommen dann unsere Sinne verstärkt zum Einsatz.

Am wenigsten am Weingenuss beteiligt ist das Gehör. Er kommt allenfalls zum Einsatz, wenn der Wein ins Glas rinnt oder man anstößt. Das Auge hingegen trinkt mit und beurteilt Farbton, Farbtiefe, Klarheit, Brillanz, Viskosität und, beim Schaumwein, Perlage. Unser Tastsinn kommt ins Spiel, wenn wir die Kühle der Flasche oder die Form des Glases erspüren. Aber auch, wenn wir mit unserer Zunge die Konsistenz des Weins prüfen und diesen als weich, samtig, dicht, wuchtig, trocken, fett usw. bezeichnen.

 

 

Eine wichtige Rolle spielt der Geschmackssinn. Mit ihm erfassen wir die Aromen auf der Zunge und, in abgeschwächter Form, auch am Gaumen. Um es unserem Geschmackssinn nicht unnötig schwer zu machen, sollte man vor und während einer Weinverkostung auf bestimmte Genüsse verzichten, beispielsweise Kaffee sowie scharfe und stark gewürzte Gerichte. Auch Pfefferminzbonbons und Zahnpasta sind hier nicht wirklich zuträglich.

 

 

Die Hauptarbeit bei der Weinverkostung aber übernimmt unsere Nase, unser Geruchssinn. Was passiert dabei genau? Mit der Atemluft gelangen Duftstoffe in die Nasen­höhle. Die Riechzellen, von denen wir bis zu 200 Millionen haben, erzeugen einen elektrischen Impuls, der an das Riechhirn weitergeleitet wird. Dort können bis zu acht Gehirnzentren durch diesen Reiz aktiviert werden, um eine Erinnerung, ein Gefühl oder auch eine Schutzreaktion auszulösen. Auch unser Geruchssinn hat es leichter, wenn wir Weinproben ohne störende Fremdgerüche, wie Parfüm, Rauch etc. durchführen. Für unsere Nase allerdings kann Kaffee Gutes tun – allerdings nicht als Getränk, sondern in seiner Rohform als Kaffeebohnen, deren Geruch eine klärende Wirkung hat und die Nase wieder aufnahmefähig für neue Gerüche macht.

 

 

So wie ein Wein im Laufe seines Lebens unterschiedliche Phasen durchläuft, verändern sich auch die Aromen mit der Zeit: Die Aromen, die aus der Beere stammen, also die typischen Düfte bestimmter Rebsorten, nennt man Primäraromen. Sie können blumig, pflanzlich, fruchtig oder mineralisch sein. Typisch sind beispielsweise die Aromen von Zitrusfrüchten beim Riesling oder die schwarze Johannisbeere beim Cabernet Sauvignon und beim Sauvignon Blanc.

 

 

Als Sekundäraromen bezeichnet man Gerüche, die durch die Weinbereitung und den Ausbau entstehen, wie Aromen von Rauch, Vanille oder Kokos beim Ausbau im Holzfass oder die hefigen Noten bei Schaumweinen. In diesen Bereich fallen auch die Gerüche der Weinfehler.

 

Gereifte Weine entwickeln Tertiäraromen, auch Reifenoten genannt, wie Lakritze, Schokolade, Tabak oder Teer.

 

 

Sie können dies sehr schön beobachten, wenn Sie aus einer Kiste eines guten Weins nur alle paar Monate eine Flasche entnehmen und diese ganz bewusst genießen. So werden Sie die Entwicklung des Weins und der Aromen ganz praktisch erleben. Viel Vergnügen dabei!

 

veröffentlicht in der Ludwigsburger Kreiszeitung vom 27.10.2012

Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    Rita (Donnerstag, 13 Juni 2013 13:04)

    Genießen gehört für mich absolut dazu. So schmeckt ein Wein doch einfach am Besten.